Buchrezensionen

Hier veröffentlichen wir regelmäßig Buchrezensionen von unseren Mitgliedern.

Joseph Vogl: Kapital und Ressentiment (2021)

„Eine kurze Theorie der Gegenwart“ – so lautet der Untertitel dieses Buches. Es ist also ein Versuch, einige neue Phänomene zu erklären, die in unserer zunehmend digitalisierten Gesellschaft auftreten. Es behandelt die Gegenwart vor allem aus Sicht der Finanz- und der Digitalwirtschaft, die eng miteinander verwoben sind. So schreibt Vogl auf S.48, dass 80% aller IT-Produkte seit den 1980 Jahren vom Finanzsektor erworben wurden. Das ist für ihn ein Indiz für die Wahlverwandtschaft zwischen elektronischen Kommunikationsmedien und Finanzmärkten. Er sieht derzeit eine „eskalierende Privatisierung“ der Geldschöpfung (S.32), die es rechtfertigt, von einem Finanzregime als 4. Gewalt zu sprechen, die sich außerhalb parlamentarischer Kontrolle bewegt. Er verwendet dafür auch den Begriff „Monetative“, der für unserenVerein Monetative e.V. namensgebend war, der ursprünglich aber nicht wie in einer Fußnote behauptet vom Hamburger Soziologen Aron Sahr stammt, sondern von Bernd ...

Max Otte: Die Krise hält sich nicht an Regeln (2021)

Eine offene und kritische Rezension von Klaus Karwat zu “Die Krise hält sich nicht an Regeln” von Max Otte. In diesem Zusammenhang sei auch auf die lesenswerte, neue Rezension von Norbert Häring zu Max Otte verwiesen. Max Otte war einmal ein gefragter Gesprächspartner der Medien, da er manche wirtschaftliche Krisen treffend vorhergesagt hat. Heute wird er von den Medien eher gemieden, weil er im Verdacht steht, zu „rechtslastig“ zu sein. Trotzdem hat mich sein neues Buch „Die Krise hält sich nicht an Regeln“ interessiert. Es ist in 99 Fragen gegliedert, die neben anderen die Themen Corona-Crash, Regulierung der Kapitalmärkte, Aufstieg Chinas und Bedrohung der Führungsrolle der USA, Abstieg der Mittelschicht und Gespenst des Populismus und Anlagestrategien in Zeiten von Corona behandeln.....

Alexander Hagelüken: Das Ende des Geldes, wie wir es kennen. Der Angriff auf Zinsen, Bargeld und Staatswährungen. (2020)

Kein leichtes Unterfangen, einen „roten Faden“ und ein sicheres, argumentatives Fundament in Hagelükens Buch zu finden. Zwei Umstände verunsichern mich: Die Vorstellungen des Autors gründen fest auf der „Legende“ der intermediären Funktion von Banken und Sparkassen. Danach sammeln diese das Geld bei den Sparern und verleihen es gewinnbringend. Weitere Zitate dazu finden sich auf S.76, S.87, oder am deutlichsten auf S.109: „Nullzinsen erodieren zudem den Kern des Bankgeschäfts: Geld einsammeln, um es mit Gewinn weiterzuverleihen.“ Das ist schlichtweg falsch! Folglich wird die private Geldschöpfung von Geschäftsbanken auch an keiner Stelle problematisiert. Sie wird lediglich einmal im Zusammenhang mit dem Vollgeldkonzept erwähnt....

Ulrich Bindseil: Central Banking Before 1800 (2020)

Central Banking before 1800 – A Rehabilitation – schon der Titel weist auf eine der zentralen Aussagen des Buches hin: Schon vor 1800 gab es Banken, die die Bezeichnung Zentralbank verdient haben. Zentralbanken im heutigen Sinne gab es nicht erst seit dem späten 19. und 20. Jahrhundert, wie manchmal behauptet wird. Zum Beginn definiert Bindseil drei Kern-Merkmale von Zentralbanken: Erstens emittieren sie Geld von jeweils höchster Liquidität und Kreditqualität, zweitens basieren sie immer auf einer Art öffentlicher Gesetzgebung, durch die sie eine juristische Sonderstellung bekommen, und drittens erfolgte ihre Gründung immer mit einem bestimmten öffentlichen Auftrag: Zum Beispiel die Verfügbarkeit von Krediten ohne Wucherzinsen, die Finanzierung öffentlicher Haushalte oder die Stabilisierung des Finanzsystems.....

Eske Bockelmann: Das Geld (2020)

Der Klappentext verspricht die Revolutionierung unseres Blicks auf die Welt. Große Worte. Aber zumindest bei mir hat es funktioniert. Und dabei ist es weniger die zwingende Logik mit der der Autor erläutert wie Geld heute, und schon immer seit seiner Entstehung, funktioniert, weil es so funktionieren muss. Sondern es ist sein Blick zurück, in eine Zeit als es sehr wohl Münzen gab, aber eben kein Geld. Kein Geld aus unserer Vorstellungswelt. Kein Geld, das alles beherrscht und beherrschen muss. Es ist dieser Blick, der eine Art des Zusammenlebens beschreibt, die heute sehr viele als neu und erstrebenswert ansehen. Ein Zusammenleben das Verteilung und Teilhabe nicht nach einer irgendwie gearteten Wertigkeit von Waren, dem zu seiner Erzeugung notwendigen Aufwand, dem Preis....

Thomas Hartmann-Wendels, Andreas Pfingsten, Martin Weber: Bankbetriebslehre (2019)

Das Buch Bankbetriebslehre der Autoren Thomas Hartmann-Wendels, Andreas Pfingsten und Martin Weber ist das führende Fachbuch zur Bankbetriebslehre in Deutschland. Auch in der 7. Auflage sind immer noch grundsätzlich falsche Darstellungen der Aktivitäten von Banken enthalten. Ein Gastbeitrag von Eberhard Gamm. Leider muss ich meine Kritik an der 6.Auflage von 2016 in vollem Umfang aufrecht erhalten. Banken werden auch in der vorliegenden 7.Auflage als Intermediäre beschrieben, was sie nicht sind. Die Autoren schreiben in den Grundlagen....