Geldwende-Konvergenztreffen zum Zweiten – viel Bedarf für Austausch!

Zum zweiten Mal trafen sich am 18.+19. Mai 2019 VertreterInnen unterschiedlicher Geldreformströmungen in der GLS Bank Berlin, um sich zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsame Kraft zu entwickeln. Beim ersten Geldwende-Konvergenztreffen im November 2018 hatte der Fokus auf der Gemeinschaftsbildung und Herausbildung der verbindenden, übergeordneten Vision gelegen. Bei diesem zweiten Treffen standen nun der inhaltliche Austausch, das Entwickeln gemeinsamer Projekte und die Planung nächster Schritte im Vordergrund. Für Konzeption und Ablauf des Treffens war das Moderations-Trio aus Oliver Sachs, Markus Duscha und Lino Zeddies verantwortlich, die wie beim ersten Treffen großen Wert auf eine persönliche und entschleunigte Atmosphäre legten.

Nach Ankommen, Vorstellungsrunde und kleiner Einstimmung wurde die Wahrnehmung der Teilnehmenden abgefragt, inwieweit die Geldreformbewegung in einer gemeinsamen Kraft sei. Es zeigte sich, dass das erste Treffen zwar positive Impulse hinterlassen hatte, aber noch viel Luft nach oben besteht.

“Die Entwicklung unserer Gesellschaften hängt stark von der Entwicklung des Geldsystems ab. Wir sind uns darin einig, dass dieses besser gestaltet werden kann als bisher. Daher lohnt es sich, für eine Geldwende einzutreten!” Beate Bockting, INWO/Freigeld

Anschließend ging es in den inhaltlichen Austausch und die Analyse dreier zentraler Geldreformströmungen. Joseph Huber stellte Vollgeld vor, welches zum Ziel hat, die Macht der Geldschöpfung wieder in staatliche Hoheit und unter demokratische Kontrolle zu bringen. Beate Bockting zeigte Ziel und Kernbausteine von Freigeld und der Freiwirtschaft auf, welche der Hortung und leistungslosen Akkumulation von Geld durch Umlaufsicherung entgegenwirken will. Zudem stellte Christian Gelleri den Ansatz von Komplementärwährungen vor, der das monopolistische übergeordnete Geldsystem mit seinen Schwächen durch eine Vielfalt alternativer Währungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten ergänzen soll.

Daraufhin wurden gemeinsam die Stärken, Schwächen und offenen Fragen der drei Reformvorschläge analysiert. Dabei wurden die Nicht-Vertreter der jeweiligen Reformvorschläge eingeladen, Stärken aufzulisten, während die Befürworter die Schwächen benannten, was eine interessante Dynamik hervorbrachte und sehr umfassende Ergebnisse erzeugte. Dabei zeigte sich jedoch auch, dass insbesondere zwischen Freiwirten und Vollgeldvertretern noch einige analytische Uneinigkeiten und vertiefender Austauschbedarf besteht. Die Ergebnisse wurden mit Hilfe von Graphic Recorder Aike Arndt visuell ansprechend festgehalten.

Aufbauend auf den ermittelten Stärken und Schwächen der verschiedenen Reformvorschläge wurden Kompatibilitätspotentiale und Konvergenzmöglichkeiten mit Hilfe eines Fishbowl-Dialogs erörtert. Dabei zeigte sich, dass keiner der Reformansätze die anderen prinzipiell ausschließt. Bei kommenden Treffen soll das gegenseitige Verständnis vertieft und weitere Formen der Zusammenarbeit ausgelotet werden.

„Ökologisch, basisdemokratisch und sozial gesinnte Kräfte verschiedener Geldreformbewegungen kommen zusammen, um der marktliberalen Einheitsfront der tatsächlichen und vermeintlichen Profiteure im Geld- und Finanzbereich Paroli zu bieten – großartig!“ Prof. Helge Peukert, Uni Siegen

Am Abend wurde von Dirk Ehnts noch die Modern Money Theory kurz vorgestellt und auch hier zeigten sich große Neugier und Diskussionsbedarf. Nach einer Tages-Abschlussrunde und gemeinsamem Abendessen zogen einige noch weiter und ließen den Tag bei einem Eisbecher ausklingen.

Der nächste Tag brachte bei einer Morgenrunde viele frische Impulse und Reflexionen zur Dynamik der Veranstaltung und zur Herausforderung, trotz der inhaltlich-verkopften Diskussionen Menschen für Geldreformen zu begeistern. Anschließend wurden Social Banking von Markus Duscha und Kryptogeld von Simon Hess in Kürze vorgestellt und auch hier zeigte sich großer Informations- und Diskussionsbedarf.

Im weiteren Verlauf lag der Schwerpunkt auf dem Austausch zu aktuellen Projekten und konkreten Kooperationsmöglichkeiten. So stellten die Teilnehmer Projekte, Veranstaltungen und Neuigkeiten aus ihren Organisationen und Reformbewegungen vor. Anschließend präsentierte Lino Zeddies seine Vision, wie der gemeinsame Weg hin zu einem vereinten „Bündnis Geldwende“ weitergeführt werden könnte, um systematisch Verbindungen aufzubauen und gemeinsame Kraft zu entwickeln. Dazu gab es große Resonanz der Teilnehmenden und viele Anregungen und Ideen.

Weiter ging es dann in Kleingruppen, um weitere Projektideen und Kooperationsmöglichkeiten für die Zukunft zu entwickeln. Daraus ergab sich eine reiche Ernte zukünftiger Projektideen, vor allem im Hinblick auf zukünftige Veranstaltungsformate, um das gegenseitige Verständnis auszubauen und eine gemeinsame Kraft zu entwickeln. Beispielsweise wurden Spezialtreffen zu ausgewählten umstrittenen oder komplexen Themen angeregt, Geldspieltreffen, um auch auf spielerischem Wege voneinander zu lernen, und die schriftliche Formulierung einer gemeinsamen Vision.

Auch bei dem zweiten Konvergenztreffen entstand eine für diese inhomogene Runde ungewohnt gemeinschaftliche Stimmung als Nährboden für aufkeimende Neugier und Offenheit für die Perspektiven der anderen. In diesem Rahmen wurden viele fachlich-theoretische Differenzen konstruktiv diskutiert und zugleich wurde der große Bedarf an weiter vertiefenden Begegnungen deutlich. Nach dem Konvergenztreffen ist daher auch vor dem Konvergenztreffen und für September 2019 ist bereits ein nächster Termin angedacht. Abschließend danken wir der GLS Bank für die Verfügungstellung der Räume und der GLS Treuhand Stiftung, deren finanzielle Unterstützung diese Tagung ermöglicht hat.

„Wir sind zehn Jahre nach der Krise immer noch ziemlich genau da, wo wir vorher waren. Ohne eine Geldreform wird keine progressive Entwicklung möglich sein. Das Konvergenztreffen war wichtig, um die aktuellen Probleme des Geldsystems zu diskutieren und gemeinsame Ziele zu erkennen.“ Prof. Dirk Ehnts