Wie sieht die Zukunft des Geldes aus? Zur Konferenz „The Future of Money“

Auf der Konferenz „The Future of Money – Central Bank Digital Currency and Beyond“ in Stockholm wurden am 15. Juni 2019 digitales Zentralbankgeld und die geplante Einführung der e-krona von Akademikern, Notenbankern, Bankern und geldpolitischen Initiativen kritisch unter die Lupe genommen.

Warum digitales Zentralbankgeld?
Die rückläufige Nutzung von Bargeld im alltäglichen Zahlungsverkehr war der Ausgangspunkt für die schwedische Riksbank intensiver über die Einführung einer digitalen “e-krona” nachzudenken. Auf der internationalen Konferenz “The Future of Money – Central Bank Digital Currency and Beyond” wurde die Relevanz eines digitalen Zentralbankgeldes (Central Bank Digital Currency = CBDC) intensiv diskutiert. Führende Wissenschaftler und Zentralbanker – wie Steve Keen, Michael Kumhof, Miguel Fernandez Ordóñez und die schwedische Riksbank – teilen die Einschätzung, dass digitales Zentralbankgeld ein wegweisender Schritt für die Stabilisierung des Finanz- und Geldsystem ist.

Schweden als Vorreiter
Die originären Aufgaben der schwedischen Zentralbank sind die Stabilisierung des Finanzsystems und die Bereitstellung von Zahlungsmittel für die schwedischen BürgerInnen. Mit dem im europaweiten Vergleich stark fortgeschrittenen Rückgang von Bargeld (weniger als 2% zirkulierendes Bargeld in Relation zum BIP) kann die Riksbank diese Aufgaben zukünftig nicht mehr hinreichend wahrnehmen. Stattdessen werden nach heutigem Stand und der prognostizierten Entwicklung, private Banken zukünftig das gesamte Geld erzeugen. Die geplante e-krona als digitales Zentralbankgeld, das stabilisierend wirken und im Falle einer Bankenkrise einen ungefährdeten Zahlungsverkehr sicherstellen soll, ist die Reaktion der Riksbank hierauf.

Obwohl die Riksbank bereits seit 2016 die Möglichkeiten einer e-krona-Einführung untersucht und bereits mehrere Reports zum geplanten CBDC veröffentlicht hat, konnte noch keine finale Entscheidung getroffen werden. Dazu sind nun Weichenstellungen und Debatten der politischen Entscheidungsträger notwendig. In der Folge wird das schwedische Parlament bereits am 18. Juni über die Einberufung einer umfangreichen Untersuchung zur e-krona entscheiden. Es wird mit einer klaren Mehrheit dafür gerechnet. Auch in den Niederlanden steht, auf Initiative von ‘Ons Geld’, eine öffentlichkeitswirksame Debatte im Parlament über den Safe Haven-Vorschlag nach der Sommerpause an.

CBDC-Konzeption: Einigkeiten und Unstimmigkeiten
Im Rahmen kontroverser Podiumsdiskussionen und Vorträge wurde in Stockholm eines deutlich: Die Zukunft des Geldes liegt in der Digitalisierung und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach in Form eines CBDCs. Joseph Huber sprach hierbei von einer geldpolitischen Gezeitenwende, weg vom privaten Geschäftsbankengeld hin zu digitalem Zentralbankgeld. Die anwesenden Experten waren sich in Fragen der konkreten Ausgestaltung besonders in zwei Punkten einig. Zum einen sind CBDCs nicht notwendigerweise Kryptowährungen, wenngleich die Möglichkeit besteht und es spannende technologische Anknüpfungspunkte gäbe. Zum anderen sollte ein CBDC „account based“ und „retail“ sein. Das bedeutet alle BürgerInnen haben Zugang zu einem Zentralbankkonto und können ihre Einlagen bei Geschäftsbanken jederzeit in digitales Zentralbankgeld wechseln können. Zu den Fragen, ob die digitalen Zentralbankkonten (negativ) verzinst werden sollten und ob dadurch die Gefahr eines digitalen Bankruns entstehen würde, gab es konkurrierende Einschätzungen, die, so Michael Kumhofs Appell, intensivere Forschung benötigen.

CBDC als Zukunft des Geldes?
Ein CBDC, so der mehrheitliche Tenor der Konferenzteilnehmer, ist ein praktikabler und notwendiger Fortschritt, der konkrete Vorteile mit sich bringt. Das Finanzsystem wird dadurch stabilisiert und der wichtige Zahlungsverkehr der Bürger ist in Finanzkrisen nicht mehr bedroht.

Dirk Niepelt verwies jedoch darauf, dass ein CBDC keineswegs zwangsläufig einen Wandel zur Folge hat, sondern stark von der Implementierung und den handelnden Akteuren abhängig sei. Wohingegen die Vertreter der schwedischen Bankenvereinigung sowie der dänischen Zentralbank wiederum keinen Grund für digitales Zentralbankgeld für alle BürgerInnen sehen. Es sei zwar möglich, aber keines der bestehenden Probleme würde dadurch behoben.

Besonders Steve Keen und Miguel Ordonez sprachen in diesem Kontext explizit die Rolle der privaten Geschäftsbanken und die Notwendigkeit der Abkehr von privater Geldschöpfung an, die auch im wissenschaftlichen Diskurs noch immer zu wenig beachtet wird. Das Privileg der Banken zur Erzeugung von neuem Geld verursache eine unverantwortliche Instabilität des Finanzsystems und damit der Volkswirtschaften. Darüber hinaus würden sie bis heute politisch geschützt.

Am Ende ordnete Lars Alaeus, Vorsitzender von Positiva Pengar, die Diskussionen und den Weg in Richtung CBDC wie folgt ein: “Ein CBDC ist ein wichtiger, gangbarer und vorteilhafter Schritt in Richtung Vollgeld.” Die Vorarbeiten dazu sind geleistet, jetzt liegt es an der Politik, zügig die notwendigen Weichenstellungen zu treffen.


Impressionen zur Konferenz finden Sie in der nachfolgenden Slideshow (einfach klicken):