Finanzminister Schäuble versteht nicht, was eine Bank ist

Finanzminister Schäuble wird in der Berliner Zeitung vom 17.7.2015 mit folgender Aussage zitiert: „Der eine spart, der andere braucht Geld, das er noch nicht hat. Das muss organisiert werden. Das nennt man Bank. So einfach ist das.“ So denken leider noch viele in verantwortlichen Positionen. Auch wurde und wird das nach wie vor an vielen volkswirtschaftlichen Fakultäten so gelehrt. Wie es wirklich ist, lässt sich bei der Bundesbank in einem Schülerbuch für Gymnasien bei der Erklärung der Geldschöpfung nachlesen: “In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto als Sichteinlage gut. […] Es ist Buchgeld entstanden oder es wurden 1.000 Euro Buchgeld geschaffen: Die Buchgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang.” (Schülerbuch Geld- und Geldpolitik, S.68). Banken sind also keine reinen Finanzintermediäre, sondern schöpfen/produzieren/emittieren  mit kreativen Buchungen selbst das gesamte Buch- oder Giralgeld, was wir als elektronische Guthaben auf unseren Girokonten haben.  Das widerspricht zwar unser eigenen Auffassung von Geld, was auch nicht verwunderlich ist: Denn wir selbst können ja kein Geld produzieren. Die Banken aber dürfen das, und die Politiker tolerieren das. Oder sie wissen es nicht einmal, wie Herr Schäuble. Wenn jemand politische Verhandlungen über komplizierte Finanzfragen führt, der die Entstehung unseres Geldes und die Rolle der Banken dabei offensichtlich nicht verstanden hat, dann wird er den Karren ganz tief in den Graben fahren. So tragisch einfach ist das!

Klaus Karwat